Gedenkstätte gegen den Krieg

Gedenkstätte gegen den Krieg

Die Anschlüsse für Strom und Wasser sind gekappt, die Heizung funktioniert nicht mehr und die Außenwände brauchen dringend einen neuen Anstrich. Aber Petar Miloradovic freut sich, dass sein Verein endlich den Schlüssel für die Baracke 35 auf dem Kasernengelände an der Landwehrstraße hat. Der denkmalgeschützte Holzbau soll an das Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg erinnern.

 

Oflag VIC nannten die Nazis das Kriegsgefangenenlager Eversheide, in dem seit 1941 etwa 5000 serbische Offiziere interniert waren. Diese königstreue Garde kehrte nach dem Krieg nicht in Titos sozialistisches Jugoslawien zurück. Viele der Männer blieben in Osnabrück und wurden hier heimisch. Sie und ihre Familien gründeten die serbisch-orthodoxe Gemeinde und bauten die Kirche an der Wersener Straße.

Unter den serbischen Kriegsgefangenen im Lager gab es eine jüdische Minderheit, die das besondere Interesse von Historikern weckt. Es gilt als gesichert, dass diese 400 Männer weitgehend unbehelligt ihre religiösen Feste und Glaubensriten feiern konnten. Auch noch zu einem Zeitpunkt, als der nationalsozialistische Terrorapparat die jüdischen Gemeinden im Reich längst geplündert und ihre Mitglieder in die Konzentrationslager deportiert hatte.

Ein schwarzer Tag für das Lager Eversheide war der 6. Dezember 1944, als das Lager wohl versehentlich zum Ziel eines alliierten Luftangriffs wurde. Unter den Bomben starben 116 Gefangene, 121 wurden zum Teil schwer verletzt. Für sie standen keine Bunker zur Verfügung. Nach dem Krieg diente das Lager den britischen Streitkräften als Kaserne. Dieses Kapitel der „Quebec Barracks“ endete 2008.

Pachtvertrag mit der Stadt

Nach dem Abzug der Briten gründeten historisch und politisch interessierte Osnabrücker den Förderverein „Antikriegskultur & Friedenshandeln“, kurz Antikriegsbaracke Atter. Der Verein hätte am liebsten nicht nur eine Baracke erhalten, sondern das ganze, noch weitgehend im Original erhaltene Ensemble aus der Zeit um 1941. Doch die Stadt Osnabrück, die auf dem Gelände ein Wohngebiet und Gewerbeflächen plant, drängte auf eine wirtschaftliche Lösung.

Vom Abriss verschont blieb allein die Baracke 35, direkt an der Landwehrstraße, die inzwischen als Baudenkmal anerkannt ist. Nach langem Hin und Her hat die Stadt einen Pachtvertrag mit dem Verein abgeschlossen, der zunächst auf zwei Jahre befristet ist. Kostenlos werden sieben Räume der Baracke zur Verfügung gestellt, für die bauliche Unterhaltung ist der Verein zuständig.

Verein sucht Sponsoren

Obwohl die Friedensaktivisten mit dem Pachtvertrag ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen sind, ist ihnen nicht zum Jubeln zumute. Der Verein hat sich in den vergangenen Jahren zerrieben mit internen Diskussionen. Jetzt soll es an die Arbeit gehen, und die Baracke muss dringend restauriert werden, aber das Geld fehlt. „Wir sind 20 Personen“, sagt der Vorsitzende Petar Miloradovic, der mit seinen 73 Jahren noch nicht einmal zu den ältesten Mitgliedern gehört, jeder zahle 30 Euro, gelegentlich komme auch mal eine kleine Spende in die Kasse. Für größere Anschaffungen reiche das nicht. Deshalb will er nun Sponsoren für sein Anliegen gewinnen.

Ziel ist es, in der Antikriegsbaracke Vorträge zu veranstalten und Ausstellungen zu zeigen. Historisches Material soll aufgearbeitet werden, Schüler und Studenten werden als Zielgruppe genannt für künstlerische Projekte und Erlebnispädagogik, wie es in einem Faltblatt heißt. Dabei soll der Alltag der Kriegsgefangenen im Mittelpunkt stehen. Es wird aber auch überlegt, Kriegsspiele und Egoshooter zum Thema zu machen. Eine „lebendige Baracke“ schwebt Miloradovic und seinen Mitstreitern vor. Der erste Schritt auf diesem langen Weg soll ein neuer Stromanschluss sein.

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