Baracke Nr. 35 steht unter Denkmalschutz

Baracke Nr. 35 steht unter Denkmalschutz

Im Kulturausschuss gibt es wenig Bereitschaft, mehr als eine Baracke im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Eversheide zu erhalten. Der Verein Antikriegsbaracke fordert hingegen, dass eine 1,56 Hektar große Fläche mit vier Baracken vorläufig von der Vermarktung ausgespart wird. Am Dienstag entscheidet der Rat.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will das zuletzt von den Briten genutzte Kasernengelände an der Landwehrstraße als Gewerbegebiet vermarkten. Auf dieser Fläche war während der Nazizeit ein Gefangenenlager für serbische Offiziere (Oflag VIc) untergebracht. Als historische Besonderheit gilt, dass unter ihnen 400 jüdische Insassen lebten, die bis 1944 nahezu unbehelligt ihre Gottesdienste begehen durften. Und das, während Juden aus ganz Europa in die Vernichtungslager deportiert wurden. Nach dem Krieg blieben viele der serbischen Offiziere in Osnabrück und gründeten die serbisch-orthodoxe Gemeinde.

Der Verein Antikriegsbaracke Atter will am Beispiel des Lagers dokumentieren, wie solche Strukturen in Hitlers Vernichtungskrieg eingebunden waren. „Mehr Lernort als Gedenkstätte“ – so stellt sich Vorstandsmitglied Peter Niebaum die geplante Einrichtung vor, die sich vor allem an Schüler richten soll.

Er und seine Mitstreiter befürchten jedoch, dass dem Rat mehr an der Wirtschaftsförderung als am Erhalt des mahnenden Erbes gelegen sei. Als der Kulturausschuss am vergangenen Dienstag über das weitere Vorgehen beriet, formulierte die Kultusdezernentin Rita Maria Rzyski ihre Sorge, dass ein Projekt mit Folgekosten entstehen könnte.

Einigkeit bestand zwar in der Absicht, dass die Geschichte des Gefangenenlagers wissenschaftlich aufgearbeitet werden solle, möglichst durch die Universität Osnabrück. Für den Erhalt der vier vom Verein vorgeschlagenen Baracken regte sich jedoch keine Hand. Allenfalls die kleine Lösung mit der denkmalgeschützten Baracke 35 wurde von mehreren Rednern als denkbar bezeichnet.

Nicht weiter vertieft wurde der Vorschlag, bei der Planung für das Kasernengelände den 1,56 Hektar großen Teil mit den vier Baracken für die Dauer von zwei Jahren auszuklammern. So hatte es der Verein aus Atter erhofft, der zwar ein Konzept für eine Gedenkstätte hat, aber kein Geld für ihre Realisierung.

Peter Niebaum und Helmut Schmitz vom Verein sehen durchaus Chancen für eine institutionelle Förderung ihres Projekts, etwa durch die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten. Aber nicht, wenn nur eine Baracke zur Verfügung steht. Es müsse schon ein Ensemble sein.

No Comments

Post A Comment