Baracke35 soll ein offenes Haus werden

Baracke35 soll ein offenes Haus werden

Ringsum im Landwehrviertel entstehen schicke neue Wohngebäude, aber die Baracke 35 ist vom Verfall bedroht. Der Holzbau erinnert daran, dass im Zweiten Weltkrieg 5000 königstreue serbische Offiziere im Lager Eversheide interniert waren. Im Herbst soll dazu eine Ausstellung in der Baracke gezeigt werden.

Für den Förderverein „Antikriegskultur und Friedenshandeln“, kurz „Friedensbaracke Atter“, ist das ehemalige Kasernengelände an der Landwehrstraße ein symbolträchtiger Ort. Das von den Nazis als Oflag VIc bezeichnete Kriegsgefangenenlager ist für Historiker aus mehreren Gründen bedeutsam. Unter den Internierten aus Serbien gab es eine kleine Gruppe jüdischer Offiziere mit dem Rabbi Hermann Helfgott, die im Lager weitgehend unbehelligt ihre Gottesdienste feiern durften. Und das auch noch zu einer Zeit, als die Juden im deutschen Reich systematisch ermordet wurden.

Die Spurensuche geht weiter

Als der Krieg 1945 zu Ende ging, sahen die meisten der königstreuen Offiziere aus dem Lager ihre Zukunft nicht im Jugoslawien von Marschall Tito. Viele von ihnen zogen es vor, in Deutschland zu bleiben. In Osnabrück fand sich eine serbischstämmige Kolonie zusammen, die als sichtbares Zeichen ihrer kulturellen Identität die serbisch-orthodoxe Kirche an der Wersener Straße errichtete. Kinder, Enkel und Urenkel der ersten Generation sind in der Stadt fest verwurzelt.

Diese und andere Zusammenhänge will der Verein „Friedensbaracke Atter“ in einer Ausstellung deutlich machen. Im Herbst soll sie in der Baracke gezeigt werden. Von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten werde es voraussichtlich einen Zuschuss dafür geben, sagt Zeljko Dragic, der stellvertretende Vorsitzende. Viele Dokumente und Zeitzeugenberichte haben er und seine Mitstreiter schon gesammelt, aber die Spurensuche geht weiter. 

Bald wieder Strom, Gas und Wasser

Schon seit einigen Jahren steht dem Verein „Friedensbaracke“ das südliche Drittel des 52 Meter langen Holzbaus zur Verfügung. Bisher war allerdings nur eine eingeschränkte Nutzung möglich, was der Vorsitzende Petar Miloradovic sehr bedauert. Nach dem Abzug der Briten vor elf Jahren wurden Strom, Gas und Wasser abgestellt, innen riecht es schon ein bisschen muffig, an den Außenwänden nagt der Zahn der Zeit. Bei einer weiteren Zunahme der Schäden könne es noch teurer werden – höchste Zeit also, die Substanz zu sichern, meinen die beiden Nachfahren serbischer Einwanderer.

Das werde auch geschehen, versichert Dirk König, der Leiter des Fachbereichs Immobilien der Stadt Osnabrück, allerdings „unter der Berücksichtigung der Prioritäten“, wie er sagt. Rechtzeitig bis zum Herbst werde die Baracke aber wieder an die Grundversorgung mit Strom, Gas und Wasser angeschlossen, sodass Heizung, Licht und Toiletten wieder in Betrieb genommen werden könnten. Schrittweise werde es anschließend auch an die anderen Arbeiten gehen. Das könne sich aber noch etwas hinziehen, vermerkt König, weil die Sanierung von Schulen und Kitas Vorrang habe und die Finanzierung unter dem Vorbehalt stehe, dass der Haushalt in Nach-Corona-Zeiten genug hergebe.

Teure Sanierung

Für Zeljko Dragic und Petar Miloradovic ist es aber schon eine gute Nachricht, dass sich die Stadt der Baracke annehmen will. Ihnen liegt daran, dass aus der Baracke ein offenes Haus für alle Generationen wird, in dem auch andere Vereine ihren Aktivitäten nachgehen können. 

Den denkmalgeschützten Bau aus dem Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt nach dem Abzug der britischen Streitkräfte als ungewolllte „Beigabe“ zur Kasernenfläche mitübernehmen müssen. Einige Politiker witterten schon damals eine Kostenfalle. Eine Schätzung aus dem Jahr 2017 beziffert die Sanierungskosten auf rund 600.000 Euro. Inzwischen dürfte es noch deutlich teurer werden, weil die Preise in der Baubranche stark angezogen sind.

Anfang 2019 hatte die Stadt versucht, an einen Zuschuss aus dem „Investitionspakt Soziale Integration“ des niedersächsischen Umweltministeriums zu kommen. In der Baracke, so die Begründung, solle ein Ort der Begegnung und des Miteinanders entstehen. Vor allem für die Nachbarn im neuen Landwehrviertel könne so ein Ort für soziale, ökologische Aktivitäten geschaffen werden. Doch das Ministerium lehnte ab. Jetzt bleiben die Kosten wohl an der Stadt hängen.

No Comments

Post A Comment